Kleist-Rundbrief, Februar 2017

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Kleist-Rundbrief

vom Kleist-Archiv Sembdner
aus Heilbronn

Februar 2017

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Liebe Freundinnen und Freunde des Kleist-Archivs Sembdner,

nach meinem Dezember-Rundbrief folgt jetzt schon wieder der für Februar. Der Grund ist trivial: Zum einen gibt es Neuigkeiten, zum anderen werde ich bis etwa Mitte März »ortsabwesend« und damit nur begrenzt »reaktionsfähig« sein. Das soll Sie aber nicht davon abhalten, meine Mitarbeiterin Frau Jovicic, die tapfer die Stellung hält, mit ordentlich viel Bestellungen einzudecken. Dringende Anfragen wird sie an mich weiterleiten. Sie ist erreichbar montags bis donnerstags, jeweils vormittags. E-Mail: jasminka.jovicic@kleist.org, Tel. (0 71 31) 56-2668.

Sie lesen, sofern Sie mögen, im Folgenden etwas über die Abschiedsnummer der Heilbronner Kleist-Blätter, über unsere sonstigen Neuerscheinungen und über das, was es Neues auf www.kleist.org gibt.

Die Heilbronner Kleist-Blätter (HKB) 28 sind da

Sie sind tatsächlich noch vor Weihnachten, am 22. Dezember, aus der Druckerei eingetroffen. Mit dann doch immerhin stolzen 660 Druckseiten und 1,6 kg Lebendgewicht eine würdige Abschiedsnummer. Denn mit dieser Ausgabe stellen die HKB ihr Erscheinen ein. Die Gründe (neben Sonstigem): Man kann ein solches Ding mit entsprechendem Kostenlimit und ohne die "freundliche Unterstützung von" (= verlorene Druckkostenzuschüsse), die es ermöglicht, die halbe Welt mit Besprechungsexemplaren zu beglücken, nur managen, wenn man alles allein macht und sich mit niemandem abstimmen muß: Themen- und Autorensuche, Redaktion, Gestaltung, Bildbearbeitung bis hin zur Druckvorstufe. Und man kann es im Alleingang neben all dem täglichen Kleinkram nur schaffen, wenn man keinen Feierabend kennt und permanent bis ans Limit geht.

Zudem hat sich, so nicht nur mein Eindruck, das allgemeine und das mediale Kleist-Interesse nach dem überbordenden Kleist-Jahr 2011 sehr verändert – man könnte auch sagen: Das Interesse bei denen, die sich – noch – für Literatur interessieren, ist auf Normalmaß geschrumpft, man feiert halt die »runden« Autoren-Geburtstage und die sonstigen Jubel-Termine mit ihren Events, aber Kleist ist seit 2012 »durch«.

Gibt es Interessantes, gibt es beispielsweise Impulse aus den Universitäten? Fehlanzeige. Aus sonstigen Bildungseinrichtungen (Bildungskanon, Lehrpläne)?  Nee, Kompetenz-Orientierung allüberall! Kleist? Ja, Familie Dr., bei der ARD.

In diesem Sinne: War schön, die HKB haben sich zwanzig Jahre wacker gehalten, werden auch von einigen vermißt werden, aber mal muß Schluß sein. Was nicht ausschließt, daß es irgendwann eine »N.F.« gibt.

Neuerscheinungen

Anzuzeigen sind:

Faber, Bettina / Breuer, Ingo (Hg.): »Ein blauer Schleier, wie in Italien gewebt«
Kleist-Tage in Venedig. Heilbronner Kleist-Studien 14

Der Band enthält ein breites Spektrum von Aufsätzen, Essays und Materialien, die sich aus den vielfältigen internationalen und interdisziplinären wissenschaftlichen und künstlerischen Initiativen der Universität Ca' Foscari in Venedig rund um das große Kleist-Jahr 2011 entwickelt haben. Darunter finden sich Beiträge zu Kleists Italienbild und seinen Versuchen einer Selbstverortung, zur Bildungsrhetorik und zur Geldtheorie, zu den Anekdoten, zum Text über das Marionettentheater und dessen Fortschreibungen in der Moderne. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Rezeption und Inszenierungspraxis von Kleists Dramen in Italien. Ausführlich dokumentiert sind insbesondere die Arbeiten des italienischen Regisseurs Cesare Lievi und die Theaterfotografien von Maurizio Buscarino. - 335 Seiten, zahlreiche, z. T. farb. Abb. 20 Euro

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Frisch aus der Druckerei ist eingetroffen: Adolf Hantzsch: Hervorragende Persönlichkeiten in Dresden und ihre Wohnungen. Reprint der Ausgabe Dresden 1918. XVI,192 S. Für die historisch arbeitende Kleist-Forschung wie auch für alle sonstigen Freunde Dresdens ein Muß. Über Hantzsch und seine Bedeutung für die Dresdener Stadtgeschichtsschreibung siehe den Wikipedia-Eintrag. Kleine Auflage. Nicht bei Google Books. 10 Euro. Siehe auch: Beschreibung der königlich-sächsischen Residenzstadt Dresden und der umliegenden Gegend für Fremde bearbeitet. Dresden 1807. »Ein wahrer Leckerbissen für Geschichtsinteressierte« (Sächsische Zeitung, 3. 12. 2011).

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Wohl noch nicht intensiv genug angepriesen: Albert Fries, Stilistische und vergleichende Forschungen zu Heinrich von Kleist mit Proben angewandter Ästhetik, 1906 als Nr. 17 der »Berliner Beiträge zur germanischen und romanischen Philologie, Germanische Abteilung« erschienen. Gehört eigentlich auf den Schreibtisch jedes seriösen Kleist-Forschers, besonders wenn er der Meinung ist, daß auch vor 1945 Ordentliches zu Kleist erforscht und veröffentlicht wurde. 108 Seiten, 10 Euro.

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Kleist und Shakespeare? Kein Pflichttitel, denn das Shakespeare-Jahr haben wir mit dem 31. Dezember 2016 erfolgreich abgehakt. Obwohl, ein Blick in die Arbeit von Meta Corssen von 1930 könnte sich trotzdem lohnen. Preis: 10 Euro.

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Alexander Weigels Aufsatzsammlung hatten wir dank entsprechender Nachfrage zwar nachgedruckt, aber auch dieser Nachdruck ist schon wieder vergriffen. Für Interessenten merken wir unverbindlich vor und drucken gegebenenfalls noch ein zweites Mal nach, wenn sich genügend Mutige gefunden haben.

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Ein "Longseller" ist das Tagebuch der Prinzessin Marianne von Preußen, das, von Horst Häker herausgegeben, vor gut einem Jahrzehnt erschienen ist und das wir kürzlich neu aufgelegt haben.

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Etwas mehr Beachtung hätte unser Reprint der »alten« Kleist-Jahrbücher schon verdient, zumal sich darin Grundlegendes zu Kleist verbirgt, siehe das Inhaltsverzeichnis: zwei Bände, zusammen rund 2.000 Druckseiten, schön gedruckt, wie uns von kundiger Seite bestätigt wird. 48 Euro.

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Sonderpreis für die HKB Nr. 16 bis 27: Sie können Ihre Desiderate nach Titel und Stückzahl frei zusammenstellen. Bis zu einem Gewicht von 25 kg zahlen Sie innerhalb von Deutschland pauschal 4 Euro für den Versand. Wenn Sie von unserem Angebot Gebrauch machen wollen, bitte unbedingt die »Details« beachten!

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In Arbeit: Kleist-Bibliographie 2001-2015: Auf diesen Band werden Sie noch etwas warten müssen. Der Textkorpus steht und ist prima vista kritisch durchgesehen, aber das Register muß ich noch bearbeiten. Erscheinungstermin? Sagen wir mal: frühestens Ende März. Mehr nach Erscheinen!

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Ein Kuriosum noch hinterher, unser Kolloquiumsband »Erotik und Sexualität im Werk Heinrich von Kleists« von 2001. Ist nach wie vor bei uns lieferbar für 20 Euro, beim Online-Antiquariat Medimops hingegen zu 70,89 Euro zzgl. Versand. Was aber noch nicht das Kurioseste ist, denn der Titel wird dort – »Gebraucht - Gut« – angeboten in der Kategorie »Bücher / Erotik / Sex-Ratgeber / Alles über Sex«. – Wenn da bloß kein Käufer enttäuscht ist…

Internet-Neuigkeiten

Was bei all den zig Tausenden von Kleist-Treffern im Internet fehlt, ist die Möglichkeit, einer  an Kleist interessierten Öffentlichkeit Fragen zu stellen bzw. Mitteilungen zu kommunizieren. Also habe ich gegen alle Vernunft ein Diskussionsforum etabliert, bei dem man auch seine kleinen Hinweise und Funde veröffentlichen kann. Ich beginne mit einer Antwort auf eine Frage, die mich immer mal wieder interessiert hat: 21. November 1811 (ein Donnerstag übrigens), kleiner Wannsee. Kleist und die Vogel lassen sich am Nachmittag draußen den Kaffee servieren. Wie war das Wetter an diesem Tag, war es denn da nicht draußen lausig kalt? Eine kurze Mail an den Deutschen Wetterdienst lieferte folgendes Ergebnis.

Coda

Nehmen Sie, liebe Kleist-Freundin, lieber Kleist-Freund diesen Rundbrief, den ich schnell aus dem Ärmel geschüttelt habe, als kleines Lebenszeichen und zugleich als Gruß aus Heilbronn, der Stadt, die 2019 die Bundesgartenschau ausrichtet. Mal sehen, was es da in der "Käthchen-Stadt" zum "Käthchen" gibt...

Sonnige Tage wünscht Ihnen

 
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