Heinrich von Kleists Schaffen in ukrainischen Übersetzungen und in der Kritik

Noch unkorrigierter Beitrag von Miroslawa Karabin E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Erste Forschungen über Heinrich von Kleists Schaffen wurde in der Ukraine von Iwan Franko im Vorwort zu der von ihm übersetzten Novelle «Die Marquise von O...», sowie in kritischen Erwähnungen in 50 Bänden der „Sammlung der Werke“ von Iwan Franko veröffentlicht. Man muss bemerken, dass alle Artikel, in denen er über Kleist geschrieben hat in der Zeitperiode 1893-1899 geschrieben wurden. Fast gleichzeitig entstand die Übersetzung der Novelle " Die Verlobung in San Domingo " von O. Paschtschuk (Datum der Herausgabe ist nicht bekannt, vermutlich: 1905) mit dem Vorwort hierzu. In der sowjetischen Periode wird dieses Problem zum Teil in der Monographie «Iwan Franko und ausländische Literaturen» (1961) von I. Shurawska, als auch in der Monographie von M. Jewschan «Heinrich von Kleist und deutsche Literatur» (1998 neu herausgegeben) erwähnt. In neuesten Studien ist es wichtig, den Artikel von D. Nalywajko „Heinrich von Kleist“ (1999) anzumerken, als auch im Jahr 1998 die Forschungen von L. Rudnyzkyj.
Heinrich von Kleists Schaffen wurde dem Leser in ukrainischer Sprache noch im Jahre 1905 zugänglich, dank der Veröffentlichung der Novelle des «Die Marquise von O…» mit dem Vorwort von Ivan Franko. Im Vorwort gibt der Autor kurz die bibliographische Auskunft und zeigt die Kompliziertheit und den Widerspruch von Kleist als Person, wie auch die Probleme seines Schaffens.
Es ist durchaus möglich, dass Franko diese vom Original übersetzt hat – in seiner Bibliothek befindet sich die Herausgabe der Werke in zwei Bänden des deutschen Künstlers: H. V. Kleist. Werke, Bd. II. Leipzig, Verlag des Bibliographischen Instituts. Der Dolmetscher bemerkte seine Leidenschaft „die Charakteren ohne Charakteristik”, allein durch Aktionen und Handlungen der handelnden Personen, zu beschreiben. Gerade das macht seiner Meinung nach die Novelle so vorbildlich. Der ukrainische Kritiker schätzte den Stil seines Werks sehr hoch, was bedeutet, dass er der Komposition entspricht, sehr originell und ungewöhnlich ist. Es lockte ihn in den Werken von Kleist die Intensität der Empfindung und Spannung der dramatischen Aktion.
Als Franko die schwere und originelle Prosa von Kleist übersetzte, wie er in seinem Vorwort schreibt, stieß er auf große Schwierigkeiten, da er sich als Ziel setzte, Kleists Stil wiederzugeben. In der kritischen ukrainischen Literatur existieren verschiedene Meinungen anlässlich dieser Übersetzung. Ju. Shurawska vertritt die Auffassung, dass es unbestritten sehr treffend war. Dieser Auffassung widerspricht L. Rudnyzkuj. Seiner Meinung nach liegt der größte Wert der Arbeit im Beginn der Bekanntmachung des ukrainischen Lesers mit diesem Schriftsteller.
Ausserdem konnten wir die autobiographische Erzählung von Frankos „Senfskorn“ (1903) nicht ausser Acht lassen, dass den Gymnasienjahren des Autors gewidmet ist. Hier erwähnt Franko den Familiennamen von Kleist und sein Drama «Der zerbrochene Krug». Im Vorwort zur Übersetzung „Die Marquise von O ...“ nannte er dieses Drama ein «unsterbliches Werk». Aus der Aufklärung von O. W. Chomizkyj erfahren wir, dass Franko dieses Drama im Jahre 1884 übersetzte. Es ruhte jedoch 20 Jahre und wurde nur im Jahre 1905 zur Aufführung des Theaterstücks in Lviv herangezogen [2, 133]. Trotzdem hält sich die Meinung, dass diese Übersetzung verloren ist [2, 136].
Frankos Zeitgenosse O. Paschtschuk übersetzte die Novelle «Die Verlobung in St. Domingo» von Heinricht v. Kleist (diese Version wurde im Verlag „universelle Bibliothek“ im Jahre 1905 in Lviv veröffentlicht) ins Ukrainische und schrieb das Vorwort. In diesem erstellte er nicht nur eine kurze künstlerische Analyse des Werks, sondern drückte auch sein Verständnis der Person Kleists und seines künstlerischen Genies aus. Paschtschuk beschreibt Kleist den Novellisten als originellen Künstler, der mit anderen deutschen Schriftstellern nicht gleich zu setzen ist, da seine Erzählungen aus zusammengesetzten Sätzen bestehen, die sich miteinander kompliziert und unbequem knüpfen. Er setzt sich über die Form hinweg und bildet nicht moralisch-emotionalen Hintergrund der Situationen, schafft keine langen, langweiligen Beschreibungen und gerade dieser Stil zeigt nach Paschtschuks Meinung viel besser die mannigfachen Gemütsstimmungen. Kleist vereinigte die größte epische Objektivität und Gemächlichkeit mit authentischer Artistik. Wie Franko, gibt O. Paschtschuk zu, daß Kleists Werke zu übersetzen keine leichte Aufgabe war. Er erlaubte sich deshalb sie frei zu übersetzen. Das ist in dem Titel der Novelle «Naretschena aus San Domingo» zu bemerken, weil das Wort «naretschena» im Titel der Übersetzung aus dem Ukrainischen ins Deutsche «die Braut» bedeutet.
Die nächste Arbeit von den ukrainischen Dolmetschern behandelt Heinrich von Kleists novellistische Erbschaft. Diese erschien bereits im Jahre 1930, da in diesem Jahr die Ausgabe «H. Kleist. Erzählungen» unter Redaktion M. Hiljow und W. Dershawin veröffentlicht wurde. Den einleitenden Artikel schrieb W. Dershawin. Unter den übersetzten Erzählungen sind: «Die Marquise von O…», «Das Erdbeben in Chili», «Die Verlobung in St. Domingo», «Der Findling». In seinem Artikel merkt W. Dershawin an, dass er nicht ohne Grund in der deutschen literarischen Kritik in H. von Kleist den «klassischen Meister» der Novelle sieht. «Das Erdbeben in Chili», «Verlobung in St. Domingo» sind als ausdrucksvolle Vorbilder des gedrängten und dürren erzählenden Stils von Kleist zu sehen» [3, 5].
W. Dershawin, wie auch die anderen erwähnten Literaturwissenschafler, unterzeichnen die charakteristische Stilkürze von H. von Kleist. Damit ist gemeint, daß der Stil dem modernen Leser wahrscheinlich allzu «trocken und blass» erscheint. Dennoch gründet er sich auf dem Prinzip des künstlerischen Objektivismus, damit der Schriftsteller den emotionalen Eindruck des Lesers mit eigenen Aussagen der Gefühle nicht vorarbeitet. «Er versuchte die natürliche Emotionalität des Subjets zu behalten» [3, 5]. W. Dershawin unterzeichnet, daß H. von Kleist einen großen Schritt in die Richtung des späteren Realismus macht. Er vermeidet kompositionelle und stilistische Verschönerungen um die Aufmerksamkeit des Lesers von der hauptsächlichen Abwicklung der Aktion nicht abzuwenden. Er geht von pathetischen oder sentimentalen Anreden weg, versucht die tragischen Szenen gar mit «gewöhnlichen Wörtern darzustellen». Mit einer Leidenschaft zu tragischen und rationellen Subjekten, auf keinen Fall zur romantischen Deutung solcher Subjete erinnert Kleist.
Kleist bestrebte die künstlerische Aufmerksamkeit auf individuelle Züge der bestimmten emotionalen Situation, der bestimmten Liebesempfindung oder des Affekts. Der deutsche Romantiker schaffte es also, den folgerichtigen literarischen Stil auszuarbeiten, «sein belletristisches Geschick einzusetzen» [3, 6].
Man darf die Erwähnungen von O. Sulyma-Blochin, die in der Monographie "O. Kwitka und Kulisch, Gründer der ukrainischen Novelle“ enthalten sind." (München, 1969) nicht ausser Acht lassen.
Als dieser das Schaffen der Schöpfer der ukrainischen Novelle untersuchte, hat er auch Heinrich von Kleist behandelt. Der Kritiker nennt ihn den Schöpfer der ideellen Novelle. O. Sulyma-Blochin meint, dass H. von Kleists Novellen echte Novellen sind, obwohl der Autor selbst sie Geschichten nannte, diese Benennung allerdings vermied. In dieser erweist sich die nötige Konzentration für die Novelle, es gedeiht die Sujetsspannung, die Dynamik und die kompositionelle Meisterschaft [8, 12].
Es gibt sehr wenige moderne Übersetzungen «über das Marionettentheater», z.B. wie die von Wolodymyr Kamjanez (2003). Ebenfalls von den Stücken aus Kleists Briefwechsel, die im Buch «Denker der deutschen Romantik» von L. Rudnyzkyj und O. Feschowets herausgegeben sind.
Oben erwähnter Artikel „Heinrich von Kleist“ von D. Nalywajko ist die akademische Herausgabe und wird im Lehrbuch für die ausländische Literatur als Autor mit dem Lebensweg und Schaffen des Künstlers bekannt gemacht.
Was unsere Forschung anbetrifft, so versuchen wir die Rezeption des Schaffens des hervorragenden Künstlers in ukrainischer Literatur zu untersuchen. Wir haben bereits folgende Artikel vorbereitet und in Druck gegeben:
1). „Heinrich von Kleist novellistische Erbschaft“.
2). „Heinrich von Kleists Schaffen und seine Rezeption von Iwan Franko“.
3). „Deutsche Romantik in der Einschätzung von Iwan Franko“.
4). „Künstlerische Besonderheiten der novellistischen Erbschaft von Heinrich von Kleist“.
Literaturliste:
1. Jewschan М. Kritik; Literaturwissenschaft; Ästhetik. - К., 1998. – 658s.
2. Chomizkuj O.W. Heinrich von Kleist in Iwan Frankos Schätzung. LDU. 1963.- S. 132 – 138.
3. H. Kleist. Erdbeben in Chilie. – Charkiw – Odesa, 1930. – 134s.
4. Denker der deutschen Romantik/ L. Rudnyzkij und O. Feschowez. – Iwano - Frankiwsk, 2003. – 588s.
5. Nalywajko D. H. von Kleist // Fenster in die Welt. – 1(4)1999.– S. 124 - 133
6. Paschtschuk О. Heinrich Kleist. Naretschena aus San Domingo. – Lviv. – 48s.
7. Rudnyzkyj L. Iwan Franko und die deutsche Literatur. – München 1974, - 224s.
8. Sulyma-Blochin О. Kwitka i Kulisch, Gründer der ukrainischen Novelle. – München, 1969. – S.102.
9. Shurawska І. Ju. Iwan Franko und ausländische Literaturen: Monografie. – K.: АN URSR, 1961. – 384s.
10. Franko I. Sammlung der Werke: in 50 Bänden – K., 1980.
Besten Dank Peter Sedlmair für die Hilfe beim Übersetzen.