Heinrich von Kleist: Beklagenswerter Sonderling oder gelehriger Schüler Schillers?

Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Koopmann (Universität Augsburg)

Sonntag, 26. Juni 2005, 11 Uhr
Heilbronn, Schießhaus (Frankfurter Straße, Nähe Hauptbahnhof)
Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Literarischen Verein Heilbronn e.V.


Was Kleist von Schiller grundsätzlich getrennt habe, war, so hat man lange geglaubt, "Wesensfremdheit": hier der unglückliche Kleist, mit "unheilbarer Traurigkeit" geschlagen, dort der harmoniesüchtige Schiller. Aber die Wirklichkeit sah anders aus. Kleist hat sich immer wieder mit Schiller auseinandergesetzt, hat ihn ausführlich zitiert. Den sichern Weg, zum Glück zu gelangen, suchten beide: darin waren sie (anfangs noch) durchaus Aufklärer. Aber beide haben sich dann von der Aufklärung verabschiedet, und wenn bei Kleist am Ende nur das "innerste Gefühl" den Kompaß des Menschen liefern kann, so gibt es bei Schiller Vergleichbares: Ahnungen, den Glauben wider besseres Wissen, Träume und Offenbarungen, die sogar Weltgeschichte machen. Waren sie am Ende doch Wesensverwandte?

Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Koopmann. Geb. 1933, Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie an den Universitäten Bonn, Münster und wieder in Bonn. Promotion 1960 mit einer Arbeit über die Romane Thomas Manns. Ab 1961 wiss. Assistent bei Prof. Dr. Benno von Wiese, Habilitation in Bonn 1968 mit einem Buch über das Junge Deutschland. Ordentlicher Professor für Neuere deutsche Philologie an der Universität Bonn 1969-1974, ab 1974 Ordentlicher Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg. Zahlreiche Gastprofessuren in den USA (7), in Südafrika (3) und Italien (2; Neapel), abgelehnte Berufungen an die Harvard University, USA und an die Freie Universität Berlin. 1998 Dr. h. c. der Rand Afrikaans University, Johannesburg (heute: University of Johannesburg),
Von 1976 bis 1984 Präsident der Deutschen Eichendorff-Gesellschaft, von 1978 bis 1996 Vorsitzender des Arbeitskreises Heinrich Mann, Lübeck, von 1992 bis 1996 Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft, seit 1987 Vorsitzender des Bewilligungsausschusses im Förderungs- und Beihilfefonds Wissenschaft der VG Wort, München.
Hauptarbeitsgebiete: Literatur des 18. Jahrhunderts, Schiller, Junges Deutschland, insbesondere Heine und Börne, Literatur der Jahrhundertwende, Thomas und Heinrich Mann, Broch, Döblin, Exilliteratur, Literatur der Nachkriegszeit, Gegenwartsliteratur. Fast 20 Buchpublikationen, fast 200 Aufsätze zur Neueren Deutschen Literaturgeschichte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Seit 2001 Emeritus.
Kleist-Ausgabe: Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke. Nach dem Text der Ausgabe letzter Hand. Mit Nachwort, Anmerkungen und Zeittafel von Helmut Koopmann. München: Artemis & Winkler 1994. (Winkler Weltliteratur Dünndruckausgabe)
Letzte Publikationen: Schillers Leben in Briefen. Weimar: Böhlau 2000. (auch 2005 bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Darmstadt). Goethe und Frau von Stein. Geschichte einer Liebe. München: Beck 2002 (auch als Taschenbuch bei dtv). Friedrich Schiller: Die großen Dramen. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Helmut Koopmann. Düsseldorf/Zürich: Artemis & Winkler 2005. Thomas Mann – Heinrich Mann. Die ungleichen Brüder. München: Beck 2005. (Gerade erschienen; 530 S.)