Schiller, Gemmingen und die Gewalt der Väter

Zum 250. Geburtstag von Otto Heinrich von Gemmingen (1755 Heilbronn - 1836 Heidelberg)

Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Sauder (Universität des Saarlandes)

Sonntag, 6. November 2005, 11 Uhr, Heilbronn, Schießhaus (Nähe Hauptbahnhof)
Gemeinschaftsveranstaltung von Kleist-Archiv Sembdner und Literarischem Verein Heilbronn e.V.


Freiherr Otto Heinrich von Gemmingen-Hornberg (1755-1836) gehört zu den eher unbekannten Schriftstellern der Aufklärung. Er hat allerdings in den späten 70er Jahren aktiv an der blühenden Mannheimer Theater- und Aufklärungskultur teilgenommen. Er war Mitglied der »Deutschen Gesellschaft« und mit dem Intendanten des Mannheimer Nationaltheaters, von Dalberg, dem Maler Müller und dem Buchhändler-Verleger Schwan befreundet. Mozart soll er in eine Mannheimer Freimaurerloge eingeführt haben. Mit dem bürgerlichen Schauspiel »Der deutsche Hausvater« (1780) erwarb sich Gemmingen den Ruhm eines ›vaterländischen‹ Dramatikers; das Schauspiel »Die Erbschaft« (1779) und seine Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen (Shakespeare, Milton, Rousseau) belebten die Mannheimer Kulturszene. Eine »Mannheimer Dramaturgie« (1780) nach Lessings Vorbild begleitete den Spielplan mit maßvoller Kritik und theatertheoretischen Beiträgen. 1782 zog es ihn nach Wien, wo er als Freimaurer zur Avantgarde der verspäteten österreichischen Aufklärung um Kaiser Joseph zählte. Unter den drei Zeitschriften, die er mit wenig Publikumserfolg veröffentlichte, war »Der Weltmann« (1782/83) das einzige Periodikum in der Geschichte moralischer Wochenschriften, das speziell für Adlige konzipiert war. Gemmingen schrieb seine Wochenschriften weitgehend selbst und war für kurze Zeit auch Herausgeber eines spezifisch wienerischen Journals für Predigtkritik. Mit politischen Schriften unterstützte er Josephs Reformpolitik. Ein Staatsamt erhielt er dafür nicht. Nach einigen Jahren als badischer Gesandter (1799-1805) in Wien lebte er verschuldet auf seinen Gütern und starb 1836 in Heidelberg.

Prof. Dr. Gerhard Sauder: Geboren am 6. September 1938 in Karlsruhe. Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Karlsruhe-Durlach. Abitur 1958. Studium an der Universität Heidelberg (deutsche und französische Philologie, Kunstgeschichte, Philosophie) vom Sommersemester 1958 bis Sommersemester 1959; 1959/60 in Paris; vom Wintersemester 1960/61 an wieder in Heidelberg. Stipendiat der Studienstiftung »Cusanuswerk«. Im Herbst 1963 Staatsexamen und Heirat. Drei Kinder. 1964 bis 1966 Schuldienst in Karlsruhe. Ende 1966 wissenschaftlicher Assistent am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg (Lehrstuhl Professor Henkel). Promotion im Herbst 1967. Seit März 1976 Ordentlicher Professor an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken (Nachfolge August Langen). Vorträge (außerhalb Deutschlands) in Frankreich, den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Polen, Bulgarien, USA, Japan, Australien, Südkorea und Marokko. Gastprofessuren an der Staatsuniversität Tbilissi/Georgien (1987) und an der University of Melbourne/Australien (1990). 1990 bis 1992 Dekan der Philosophischen Fakultät an der Universität des Saarlandes. Verleihung der Merck-Medaille durch die Darmstädter Goethe-Gesellschaft (2001). Aktivitäten: Mitglied des DAAD-Ausschusses für die Vergabe von Stipendien für afrikanische Germanisten (1989-1993); Mitglied des Auswahl-Ausschusses für Promotions-Stipendien des Cusanuswerkes (Bonn); Mitglied des Internationalen wissenschaftlichen Beirats des »Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der europäischen Aufklärung« Halle (seit 1994). 2003 bis 2004 Präsident der Internationalen Herder-Gesellschaft. Arbeitsgebiete: 18. Jahrhundert, späte Romantik, Heinrich Heine, Expressionismus, Literatur im Dritten Reich, Literatur nach 1945. Methodische Schwerpunkte: Sozialgeschichte der Literatur und mögliche Weiterführung dieses Ansatzes, Lesergeschichte, Wissenschaftsgeschichte der Germanistik Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: kritisch-historische Ausgabe der Werke des Malers Müller, Werkausgabe Ludwig Harig, Band 2 der Monographie »Empfindsamkeit: ästhetische, soziale und literarische Aspekte« Zahlreiche Veröffentlichungen, siehe www.uni-saarland.de/fak4/fr41/sauder/index2.html, Foto auf www.uni-saarland.de/fak4/fr41/sauder/saud-pers/gs.jpg