KLEIST AM MITTAG

Eine Veranstaltung des Theaters Heilbronn

In Zusammenarbeit mit dem

Kleist-Archiv Sembdner Heilbronn

 Ensemble-Mitglieder des Theaters Heilbronn lesen

im Rahmen der Baden-WürttembergischenTheatertage

vom Montag, dem 2. Juli bis Samstag, den 7. Juli

täglich um 12.00 und 13.00 Uhr in der Theater-Kiste

(im Schmuckhof des Rathauses)

aus den "Kleist-Dramoletten" von Jan Christ.

Die Lesungen dauern 20 bis 25 Minuten.

Der Eintritt ist frei.


Jan Christ

Probenbericht

die "Kleist-Dramolette" betreffend


Sich als Autor an der Erarbeitung einer öffentlichkeitsbestimmten Version seiner literarischen Vorlage zu beteiligen, stellt eine ungewöhnliche Erfahrung dar, die auch die Selbst-Demontage riskieren muß. Meine "Kleist-Dramolette" sind Fragmente einer noch nicht geleisteten größeren Arbeit über den Dichter. Sofern war ich gern bereit, mir von jungen Schauspielern, welche die notwendige Unbefangenheit mitbrachten, aufzeigen zu lassen, welche Materialien sie als gute, welche sie als weniger gute Spielvorlagen erachteten. Wenn hier Kernsituationen eines übergreifenden dramatischen Prozesses vorliegen, erweist sich das nur in der Probe mit Schauspielern. Ist eine Figur entwickelbar oder ist sie als literarischer Scheme bereits theatralisch tot? Weist eine dramatische Situation über sich hinaus oder erregt sie keine Neugier für eine Weiterung? Diese Fragen allein am Schreibtisch zu entscheiden oder aber in der theatralischen Praxis - die günstigere Wahl scheint klar zu sein.

Die Baden-Württembergischen Theatertage Sommer 2001 in Heilbronn boten den Rahmen für eine Uraufführung meiner "Kleist-Dramolette" als Beitrag des Heilbronner Theaters bzw. des Kleist-Archivs Sembdner. Wir entschieden uns für eine szenische Lesung der sechs theaterwirksameren Stücke von insgesamt zwölf, die in den "Heilbronner Kleist-Blättern" 10 erschienen waren. Die Spielstätte, als Stuttgarter Theaterkiste bekannt, bot nur einen äußerst beschränkten Raum, als Steh- oder Sitztheater, das eine szenische Fantasie ausschloß. So wurde die Handlung nach "innen" verlegt, in die "Leere des Raums", die Sprachmagie. Hier zauberte die Figur, sobald ihr ein beredtes Innere gegeben war. War dieses Innere dagegen arm oder nur literarisch, konnte der auf seinen Standort eingeschränkte Schauspieler im Gegensatz zu dem in die Szene ausschweifenden Kollegen des wirklichen Theaters - kaum Ersatz bieten und sofern die Schwäche der Vorlage nicht kompensiert werden. Dieses "Stehtheater" war also eine harte Prüfung meiner Dramolette, da es weder reines "Hörtheater" (Funk) noch Raumtheater war. Es hatte statuarisch zu sein (eingefroren auf Gesichtsmasken) und dennoch rhetorisch auf höchstem Niveau. War es in dieser oder jener Funktion nicht sogar echt "kleistesch"?

Die mich am meisten bewegende Frage: Ist Kleist eine dramatische Figur? wurde von den Schauspielern - die sich diese Frage nicht stellten - positiv entschieden. Für ein Kammertheater oder für großes Theater? Das gründliche Defizit der jungen Leute, was das Lebensdrama Kleists angeht, evoziert ein "Stationentheater" von erheblichen Dimensionen, die sich primär mit Kleists Tod beschäftigen werden. Die Heilbronner Tage bildeten die Initiation für diese noch zu leistende Arbeit.

Im Sommer 2001 in der Kleiststadt Heilbronn