21. Juli 2001

Tag der offenen Tür


 

Es war wie beim Mannheimer Maimarkt: Die Massen strömten, stopften die Taschen voll, freuten sich, und vor lauter Geschäftigkeit kamen wir kaum zum Fotografieren. Die Bilder, die uns von dritter Seite erreicht haben, sehen Sie hier:



18. August 2001: Kleist open air

Stramme Waden, unproportionierte Hinterteile und eine Hühnerbrust

"Welch eine Sonne geht mir auf!"

  Mit einem vierstündigen "Kleist open air" feierte das Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn, das am 21. August 1991 von Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann und Kulturdezernent Reiner Casse erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, am Samstag, 18. August 2001, von 11 bis 15 Uhr sein zehnjähriges Bestehen.

In mehreren Programmpunkten sollte die Vielschichtigkeit der Arbeit des Kleist-Archivs Sembdner transparent werden. Neben dem Käthchen-Hochzeitszug, der das traditionelle Heilbronn verkörpert, gab es eine Dokumentation zum Streit um Dieter Läpples "Käthchen-Brunnen" von 1963 bis 1965, gelesen von der Schauspielerin Cornelia Bielefeldt, eine Kleist-Performance der Gruppe "Living stage" unter dem Titel "Kommt, laßt uns etwas Gutes tun und dabei sterben", eine Autorenlesung von Jan Christ aus seinen "Kleist-Treibsätzen", ein Gewinnspiel, bei dem man Karten für die "Käthchen"-Aufführung im Komödienhaus gewinnen konnte, sowie für Kinder von 8 bis 12 Jahren eine Bastelaktion, bei der die Teilnehmer ein ganz modernes, sich bewegendes Käthchen bauen können.

Programmablauf:

11 - 11.30 Uhr

Der Käthchen-Hochzeitszug zeigt pantomimisch dargestellte Spielszenen zum Repertoire des Käthchenhochzeitszuges, die in sieben scherenschnittartigen Bildern Einblick in die Handlung des Theaterstückes gewähren:
1. Graf Wetter vom Strahl vor dem Femerichter
2. Käthchen trifft den Grafen Wetter
3. Käthchen träumt unter dem Holunderstrauch
4. Graf Wetter träumt von einer Kaisertochter
5. Der Kaiser erkennt im Käthchen seine Tochter
6. Die Nebenbuhlerin Gräfin Kunigunde hat ausgespielt
7. Hochzeitsfeier von Graf Wetter vom Strahl und Katharina von Schwaben

11.30 - 11.45 Uhr

Gewinnspiel, 1. Runde
Und das sind die Bedingungen: Eine einfache Gewinnchance hat, wer irgendeine Kleist-Ausgabe mitbringt (kann eine zerfledderte aus der Schulzeit sein); zweifache Gewinnchance hat, wenn der Text zu Kleists "Käthchen" dabei ist; dreifache Gewinnchance hat, wer mindestens drei Zeilen eigener Wahl von Kleist öffentlich vorliest.
Gewonnen werden können 3 x 2 Eintrittskarten zum "Käthchen" im Komödienhaus im K3 und Warengutscheine
Ziehung der Gewinner nach Abschluß der Veranstaltung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

11.45 - 12.30 Uhr

"Von strammen Waden, unproportionalen Hinterteilen und einer Hühnerbrust. Der Kampf um Dieter Läpples "Käthchenbrunnen" in den Jahren des Herrn 1963 bis 1965". Vorgetragen von der Schauspielerin Cornelia Bielefeldt
Mit den Worten des damaligen Oberbürgermeisters Paul Meyle: Kleists "Käthchen" hat Heilbronn bekannt, der Streit um die Skulptur hat Heilbronn berühmt gemacht. Immer wieder hatte die Republik Gelegenheit, die neusten Nachrichten aus der Neckarstadt zu vernehmen: Vom Streit um Bruscht- und Popo-Proportionen, von Parodien, Attentaten, schließlich gar noch von einem Langhaarigen, der sich nicht scheren lassen wollte...

12.30 – 12.45 Uhr

Gewinnspiel, Runde 2

12.45 – 14 Uhr

"Kommt, laßt uns etwas Gutes tun und dabei sterben". Kleist-Performance der Gruppe "Living stage"
Der historische Kleist, die Großstadtmusik von Urban Elsässer und Ludger Singer, die Videobilder von Roland Storm und die Schauspielerin Sophia Ryssèl begegnen sich. Mit Schauspiel, Livemusik und Videofilm wird der Facettenreichtum des Dichters Heinrich von Kleist durchleuchtet. Aus dem Zusammentreffen der unterschiedlichen Medien, eingebunden in Texte von und über Kleist, entwickelt der Autor und Regisseur Michael Ritz eine vielschichtige Vernetzung. Es entsteht ein subtiles Lebensbild, eine Personality-Show Heinrich von Kleist, ein multimedialer Gang durch die Geschichte seiner Seele.

14 – 14.45 Uhr

Autorenlesung an der frischen Luft. Jan Christ zündet seine "Treibsätze"
In seinen "Treibsätzen" stellt uns Jan Christ erfundene Kleistsituationen vor, die um ganz verschiedene szenische Kreise organisiert sind und - Stück für Stück - die Kleistsche Lebensspirale als eine gesteigerte Erzeugung immer neuer Vertracktheiten entwerfen, bis zu einem Ende, das selbst wiederum vertrackt bleiben muß. Bei Kleist ist der Ausnahmezustand der Normalfall, so Christ, und die Anekdote erweist sich als ideale "Vertracktheitsform", um die Unmöglichkeit der Existenz des Dichters zu demonstrieren.
Jan Christ, geb. 1934 in Genthin in der Mark Brandenburg, in den Kriegsjahren in Polen, nach dem Krieg in Mitteldeutschland, kein Abitur. Schauspieler und Buchhändler in der DDR bis 1957. Jahrelang ohne festen Wohnsitz. Nach der Flucht Studium der Pädagogik in Göttingen (2. Bildungsweg), von 1962 bis 1974 im Niedersächsischen Schuldienst tätig. Seit 1974 freier Schriftsteller, seit 1996 am Bodensee wohnhaft.

14.45 –15 Uhr

Gewinnspiel, Runde 3 und Ziehung der Gewinne

Parallel heißt es dazu von 11 bis 13 Uhr: "Käthchen selbstgebaut!"
Die Museumspädagogik der Städtischen Museen Heilbronn veranstaltet eine Mitmachaktion. Angeregt von Läpples "Käthchenskulptur" bauen die Teilnehmer ein ganz modernes, sich bewegendes Käthchen von Heilbronn.
Treffpunkt: Arkaden des Naturhistorischen Museums, Kramstr. 1.
Es entstehen keine Teilnehmergebühren!

Veranstalter: Kleist-Archiv Sembdner in Verbindung mit Städt. Museen Heilbronn und Schul-, Kultur- und Sportamt. Ein Beitrag zur Reihe "Wortmeldungen"

Hier die Fotos:


21. 8. 2001
Jubieläumsausstellung »10 Jahre Kleist-Archiv Sembdner«


19. November 2001
"Du siehst die Perle / nicht..."
Scheiternde Inszenierungen des (Zwischen-)Menschlichen in Kleists "Käthchen von Heilbronn" und im "Prinz von Homburg"
Vortrag von Andreas Beck (Tübingen)


3. Dezember 2001
Der Klarinettenpreuße oder "Nach Herzenslust" Heinrich von Kleist und die Klarinette
Vortrag von Dr. Stephan Bock (Bochum)