Kaffee, Kuchen, Speed & Co

Aus den geheimen Tagebüchern des Webmasters


Irgendwann erfindet jeder eine Geschichte, die er für sein Leben hält. (Nach Max Frisch)


  • Unser erster Internet-Orden (10. Dezember 1996, vier Tage nach Nikolaus)
  • Scheußliches Knallgelb (11. Januar 1997)
  • Lob aus allen Ecken (1. Februar 1997)
  • Bibliographie-Roboter (22. Mai 1997)
  • Großputz (10. April 1998)
  • Mustergültiges aus dem Musterländle (27. Oktober 1998)
  • Gelinkt werden ist der Maßstab für Erfolg :-) (4. Dezember 2000)

Unser erster Internet-Orden
10. Dezember 1996 (vier Tage nach Nikolaus)

Eine E-Mail macht sich auf dem Bildschirm breit:

"Betr.: Ihr Angebot gehört zu den Top 5% des deutschsprachigen WWW Lieber Webmaster [damit bin ich gemeint!], liebe Webmasterin, herzlich willkommen im Club Top 5% der besten Web-Angebote im deutschsprachigen Raum.
Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Albert Warnecke, ich bin als Online-Koordinator der „DOS - Die PC-Zeitschrift" für sämtliche Online-Aktivitäten unseres Magazins verantwortlich. Zur Zeit bauen wir den webTIP, einen Web-Rating-Dienst auf, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die besten 5% der deutschsprachigen Internet-Angebote ausfindig zu machen und dann vorzustellen. Ihr Angebot gehört dazu!
Dieser Fokus auf Qualität und Vollständigkeit ist zur Zeit einmalig im deutschsprachigen Web. Unser Surf-Team besteht aus Leuten, die nicht nur Ahnung vom Internet haben (bei uns arbeiten keine Leute, die in Verzückung verfallen, bloß weil ein BLINK-Tag leuchtet ), sondern auch Fachleute auf dem Gebiet sind, das sie rezensieren.
Mit dieser Mail möchten wir Ihnen unser Top-5%-Logo verleihen, damit Sie auch nach außen sichtbar machen können, daß wir - als neutrales Redaktionsteam - Ihr Angebot hoch schätzen. [...]"

Beim Lesen kniff ich mir in den Arm. Nein, ich schlief nicht! Flugs die Begrüßungsseite erneuert (Fassadenrenovierung). Weiterhin dort einige zusätzliche Buttons eingebaut! Und dieses Tagebuch geheimer Freuden und Lüste begonnen...


Scheußliches Knallgelb
11. Januar 1997

Inzwischen habe ich mir angesehen, was das PC-Magazin "DOS" über unsere Seite geschrieben hat:

"Die erste Adresse für alle Freunde Heinrich von Kleists, für Forscher und kulturell Interessierte ist sicher das Kleist-Archiv Heilbronn. Hier finden Sie übersichtlich geordnet eine riesige Menge an Informationen über den großen Dichter. Wertvolle Literaturhinweise zum Werk Kleists, Forschungsarbeiten, aktuelle Termine und Projekte sowie zahlreiche Kleist-Links lassen kaum Wünsche offen. Einziger Schwachpunkt des Angebots sind die scheußlichen knallgelben Hintergründe, die das Lesen zur Herausforderung auch für gesunde Augen machen."

Scheußlich knallgelb: Wir wollen sukzessive dezent, dezent werden. Wie wäre es mit Elfenbein-Hintergrund (ivory, #FFFFF0) - so wie auf dieser Seite? Oder mit beige (#F5F5DC)? Bisque (#FFE4C4)? Oder cornsilk (#FFF8DC) gefällig? Oder gleich die ganze Chose: <body bgcolor="#??????" text=#??????" vlink="#??????" alink="#??????">. Wer macht einen vernünftigen Vorschlag? Sachdienliche Hinweise bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Jetzt ist auch der 5%-Button auf der Begrüßungsseite angebracht. Wie schön er blinkt!


Lob über Lob: die Germanisten
1. Februar 1997

Jetzt gehts rund: Die "Mitteilungen des Deutschen Germanistenberbandes" schreiben zum Thema Internet:

"Die multimedialen WWW-Seiten eignen sich besonders gut dafür, themenspezifische Information in Hypertexttorm zu präsentieren. Dabei können sich didaktische Momente mit Forschungsaspekten zu einer ergiebigen Einheit verbinden. Ein solches Projekt, das zu einem Thema Primär- und Sekundärliteratur sowie weitere Kontextinformationen in besonders gelungener Weise bietet, ist das Kleist Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn (http://www.heilbronn.com/kleist/). Dort findet man Angaben zum Kleist-Archiv und vor allem eine ständig aktualisierte Bibliographie der Sekundärliteratur zu Kleist, die man auch auf den eigenen Rechner laden kann, sowie Kurzbiographien einiger Kleistforscher, Verweise auf andere WWW-Seiten, die sich mit Kleist befassen, und anderes mehr." (Fotis Jannidis: Das Internet: Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten für Germanisten. In: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes. 43. 1996. H. 4. S. 55-61. - Zitat S. 60. - Dr. Fotis Jannidis ist Assistent am Institut für Deutsche Philologie in München)

Eine Handvoll hoffnungsvoller Deutschlehrer meldet sich: Warum bei den Unterrichtsmaterialien nur ein Baustellenschild zu finden ist. Und statt meine wochenendlichen Hausaufgaben zu machen, e-maile ich zurück:

"Zum "Krug" liegen die Materialien, bearbeitet von Prof. Dr. Ditmar Skrotzki, Staatliches Seminar für Schuldidaktik, Heilbronn, seit längerem vor und sind bereits in den Computer gehackt. Nur ein paar <hr>s und <p>s fehlen noch.

Ich werde fleißig sein müssen...


Bibliographie-Roboter
22. Mai 1997

Was man verspricht, sollte man eigentlich halten. Und haben wir nicht versprochen, daß wir - ohne Gewähr! - Interessenten die monatliche Kleist-Bibliographie zumailen? Und gab es dann nicht immer wieder einen Grund, es zu vergessen?

Doch wo es Internet gibt, da gibt es auch gute Geister. Unser Web-Roboter ist so einer: Gehört uns nicht, wohnt irgendwo, aber scheint zu funktioneren: Man placiert ein paar Zeilen HTML-Code, und wenn der Bibliographie-Interessent seine E-Mail-Adresse auf der Bibliographie-Seite eintippert, schickt ihm dieser gute Geist eine Merkzettelchen nach Hause.

Mal probieren, ob's klappt: Jede monatliche bibliographische Meldung wird auf der bibliographischen Übersichtsseite per Link vertäut, und wenn unser Web-Rob die Augen aufsperrt, merkt er das und schreibt Ihnen ein Brieflein.

Dann heißt's nur noch, Ihre Äuglein ebenfalls aufzusperren und nach der Aktualisierung zu suchen: In der Regel dürfte die unter dem laufenden Monat des laufenden Jahrs in der laufenden Bibliographie zu finden sein.

Schwer?

Kaum, sind doch unsere Internet-User besonders akademisch, dynamisch, jung und intelligent. Und wenn sie nicht weiterkommen, gibt es ja immer noch den Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!...


Großputz
10. April 1998

Das Frühjahr kommt / Wach auf, du Christ / Der Schnee schmilzt weg / Die Toten ruh'n / Und was noch nicht gestorben ist / Das macht sich auf die Socken nun.

War's Brecht, im Brechtjahr? Tut nichts, die Zeit ist kommen, die Seite muß gewienert sein... Lagern doch knapp 25 MegaByte an Daten in einem einzigen Unterverzeichnis. Rund 500 Dateien. Damit die wiedererkannt werden, heißen sie so, daß Zusammengehöriges bei alphabetischer Sortierung untereinander steht.

Das muß anders werden. Unterverzeichnisse müssen her. Die Optik muß vereinheitlicht werden. Und Spielchen aus den Anfängen werden gnadenlos in den nirvanitischen Orkus geschickt.

Ob sich die User dann noch auskennen? Klar, sind doch alles helle Köpfe.

Und wenn nicht, kann man ja mal dem alten Webmaster per E-Mail ein Lichtlein aufstecken. Mal sehen, was kommt...


Mustergültiges aus dem Musterländle
27. Oktober 1998

Geliebtes Tagebuch, lange habe ich Dir nichts mehr anvertraut. Nimm's nicht persönlich, aber es gab einfach so viel zu tun. Die Internetseite mußte komplett neu strukturiert werden. Sie ist jetzt auf Administrationsebene übersichtlich, und das Wiederfinden von Dateien ist für mich so einfach geworden ist, daß das Suchen fast schon gar keinen Reiz mehr hat (Ich finde auf Anhieb jetzt alles :-). Natürlich hast Du recht, die Begrüßungsseite müßte noch aufgepeppt werden. Also los, Buttons bauen! Und die Seite "Schnellübersicht" zum Ausdrucken müßte wieder her, diese Seekarte fürs Navigieren. Ich mach ja schon! Aber weißt Du, was mir jetzt echt Farbe in die Wangen geflasht hat? Die Kritik vom DeutschlandRadio [Leider nicht mehr klickbar]. Ich halte sie hier mal in meiner schönsten Sonntagsschrift für die Nachwelt fest:

Mustergültiges aus dem Musterländle: schöner, informativer und umfassender kann man eine Website zu Heinrich von Kleist nicht gestalten als das, was Günther Emig als Website des Kleist Archivs Sembdner der Stadt Heilbronn im Netz präsentiert. Die Kleist-Sammlung Helmut Sembdners entstand „aus der Arbeit und für die Arbeit“ - dank Emigs Eifer können nun alle davon profitieren. Neben wissenschaftlichen Arbeiten bietet das Archiv auch bereits einige Kleistsche Werke im Volltext an. Vermißt haben wir lediglich eine Suchfunktion.

Und die kommt in den nächsten Tagen in Gestalt des Programms "Lycos Site Spider", das serverseitig unter NT installiert werden muß.

PS: das "h" in Günther habe ich spendiert, und aus dem Hermann Sembdner habe ich schnell mal den Helmut gemacht. Aber sonst: Die taffen Jungs und Mädels beim Funk haben schon was begriffen. Sauber!

Oh, ich könnte Bäume ausreißen!


Gelinkt werden ist der Maßstab für Erfolg :-)
4. Dezember 2000

Geliebtes Tagebuch!!!

Kürzlich meinte jemand, der Erfolg einer Webseite hinge mit der Zahl der Links zusammen, die auf sie wiesen... Ich also ran an die Suchmaschine, "link:www.kleist.org" eingetippt - und war erschlagen von der Zahl der Treffer. Weil aber die Unterverzeichnisse unserer eigenen Begrüßungsseite mit aufgeführt waren, erging ein Hilferuf an den Support von Fireball. Und e-mail-wendend trudelte folgende Syntax ein: [toter Link, bei Konversion abgetötet].
Ergab satte 165 Treffer. Stand Hl. Barbara huius currentis (für alle Heiden: 4. Dezember 2000).
Liebes Tagebuch, sind wir jetzt bedeutend?