DER GEIST (weht) WO (er) WI (ll)


Assemblage
Lagermaterial aus Serienproduktion auf Rädern
2002
Her®mann Liebersbach


Der Künstler über sein Werk

Lichtenberg (1742-1799) hat bekanntlich gesagt: "Daß die wichtigsten Dinge durch Röhren getan werden. Beweise: erstlich die Zeugungsglieder, die Schreibfeder und unser Schießgewehr. Ja, was ist der Mensch anders als ein verworrnes Bündel Röhren?" [Einfälle und Bemerkungen, Heft E, 1775-1776, 35]

Für dreidimensionale Zeiten mag das eine zureichende Erklärung gewesen sein, aber für unsere Zeiten, gekennzeichnet durch die Mühen der Ebenen, reduziert sich die Dimensionenwelt auf eine einzige. Fläche kennzeichnet unsere Zeit.

Fläche aber verkörpert sich nirgendwo deutlicher als in Konferenztischen: Sie sind ohne jegliche Erhebungen und Verwerfungen, flach wie das bekannte Bügelbrett und bieten der darauf ruhenden Hand keinen Widerstand. - Fläche und Flachheit aber lassen sich naturgemäß nur steigern durch ihre serielle Wiederholung.

In meinem Werk DER GEIST WOWI habe ich unsere geistige Situation konzeptionell durch übereinander gestapelte Tischplatten symbolisiert, deren Beine (Unterbau) demontiert und flach/platzsparend auf den Unterseiten so befestigt sind, daß sie über den Metallrahmen, der die Fläche trägt, nicht hinausreichen.

Dem Eindruck, daß durch die serielle Reihung aus der Fläche ein dreidimensionales Gebilde entstehen könnte, habe ich dadurch entgegengearbeitet, daß die freie Luftzirkulation zwischen den Flächen gewährleistet ist: Der Geist weht, wo er will.

Descartes konnte noch formulieren: Cogito ergo sum - Ich denke, also bin ich. Wohingegen ich - über Descartes hinausgehend - feststelle: Ich denke, daß ich ein Künstler bin. Hier steh‘ ich, ich kann nicht anders! Amen.

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