Kleist-Bibliographie Teil 1: Bis 1990

Von den Anfängen (2002) bis zum Erscheinen der Buchausgabe (2007)

Tagebuch der Freuden und Leiden

Projektleitung und -koordination: Günther Emig, Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn


Situationsbeschreibung

Kleist-Bibliographie, ein leidiges Thema. Einerseits existiert eine wahre Titelflut an Büchern, Aufsätzen, Besprechungen usw., andererseits stammt die letzte zusammenfassende Kleist-Bibliographie aus dem Jahr 1961. Daß ein solcher Zustand die Forschungssituation nicht gerade anheizt, kann man sich denken.

Welche Bibliographien zieht man denn nun vernünftigerweise heran?

1. Primärschriften bis 1863
Man nehme Sembdner, Heinrich von Kleist 1803-1862. Eine Bibliographie. 1966. (Obacht Kaufinteressierte: Im Verlag Hiersemann neu unter 25 Euro, antiquarisch, d. h. mit dem Arbeitsschweiß und den Eselsohren der Vor-Benutzer, bis über 100 Euro!)

2. Primär- und Sekundärliteratur 1914ff.
Für die Zeit von 1914 bis 1937 greife man zu den Kleist-Jahrbüchern aus den 20er und 30er Jahren, die 1970 sogar reprinted wurden.
Für die Zeit von 1938 bis 1944 greife man zur CD-ROM, die dem Band "Kleist-Material" der BKA beiliegt. Dort im Faksimile die korrigierten Druckfahnen für das das nicht mehr erschienene Kleist-Jahrbuch.
Für die Zeit von 1945 bis 1960 greife man zum Jahrbuch der Deutschen Schiller-Gesellschaft von 1961.
Überlappend für die Zeit von 1945 bis 1990 nehme man den 1998 erschienenen Band 17 des von Heiner Schmidt herausgegebenen außerst empfehlenswerten "Quellenlexikons zur deutschen Literaturgeschichte". Wobei es sich hier im Gegensatz zu Minde-Pouet und Rothe anlagebedingt um eine nichtannotierte Titelauflistung handelt.
Für die Zeit von 1990 bis zur Gegenwart greife man zu den Heilbronner Kleist-Blättern.
(Die Beschreibung der Bibliographien findet man übrigens in den Heilbronner Kleist-Blättern.


Vorspann zum Verständnis
Um 1996 hatte Klaus Kanzog einen Vortrag in Heilbronn. Von (gelerntem) Bibliothekar zu (gelerntem) Bibliothekar unterhielten wir uns über die bibliographische Situation zu Kleist. Als von außen Dazugestoßener, der keinen gewachsenen Zettelkasten auf dem Schreibtisch hatte, war ich darauf angewiesen, schnell und effizient Literatur zu finden. Was lag da näher, als bei der oben beschriebenen Lage entsprechend den bibliographischen Großtaten wie dem "Gesamtverzeichnis des deutschen Schrifttums" zu verfahren, d. h. das vorliegende gedruckte Material zu (foto-)kopieren, neu sortiert zusammenzukleben und das Ergebnis zu drucken? Klaus Kanzog stimmte mir insoweit zu, als dieser "Behelf" ein sinnvoller Zwischenschritt auf dem Weg zu einer "ordentlichen" Bibliographie sei, die er für unabdingbar hielt und hält, sagte aber, daß ich mir diese Arbeit des Kopierens und Klebens sparen könne: Er habe das vor Jahren veranlaßt, das Ergebnis liege unveröffentlicht vor. Tatsächlich brachte der Briefträger wenig später die Kopien ins Haus. So langsam kristallisierte sich bei mir die Vorstellung heraus, man müsse weitergehen, müsse das von Klaus Kanzog übergebene Manuskript abschreiben, um die ungedruckten Fahnen des Zeitraums 1938 bis 1944 ergänzen, mit der bereits von uns abgeschriebenen Bibliographie Eva Rothes (Zeitraum 1945-1960) vereinen und mit einem gemeinsamen Register versehen. - So fing alles an...


Stand: 21. März 2002
Eva Rothes Bibliographie, seit mehreren Jahren abgetippt und von uns ins Internet gestellt, ist vor-korrekturlesebereit. Dieser Aufgabe wird sich eine ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterin beim Seniorenbüro Heilbronn, Frau Doris Niethammer, unterziehen.
Dieweil hat eine andere ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterin des Seniorenbüros, Frau Margarete Lohmiller, etwa die Hälfte des Datenmaterials (Zeitraum 1914-1937) per Computer abgeschrieben. (OCR-Bearbeitung ist wegen der Frakturschriftvorlagen nicht möglich.) Erfaßter Umfang bisher ca. 150 Seiten DIN-A-4 bei Schriftgröße 10p. = die Hälfte des Materials.
Erfaßt sind die Kapitel (über den gesamten Berichtszeitraum hinweg)
1. Bibliographisches und Allgemeines
2. Gesamt- und Teilausgaben der Werke
3. Zu den Briefen
4. Stammbucheinträge
5. Zur Biographie und Charakteristik
6. Allgemein-Literarhistorisches
7. Beziehungen zu Vorgängern, Zeitgenossen und Nachfolgern
8. Verhältnis zu Wissenschaft und Kunst
Offen sind noch
9. Verhältnis zu Geschichte und Politik
10. Zu den Dramen im einzelnen
11. Einzeldramen
12. Erzählungen (allgemein)
13. Einzelerzählungen
14. Lyrik und kleine Schriften
15. Kleist und seine Werke im Bilde. Gedenkstätten
16. Kleists Werke in der Musik
17. Dichtungen über Kleist. Nachdichtungen
18. Kleist-Gesellschaft
19. Kleist-Feiern
Das Personenregister für die bereits abgeschriebenen Teile habe ich weitgehend vorbereitet. Welche weiteren Register sinnvoll sind, wird sich ergeben.


Stand: 8. April 2002
Unsere Kleist-Bibliographie wird um den Kleist-Teil des "Quellenlexikons" erweitert. Damit überschneidet sich zwar der Zeitraum 1945 bis 1960 mit Eva Rothe, aber "you can't always get what you want". Immerhin wird damit der Zeitraum 1914 bis 1990 abgedeckt sein. Im Anschluß gibt es ja dann unser eigenes Projekt, s. o.


Stand: 19. April 2002
Das Minde-Pouetsche Kapitel 9, Verhältnis zu Geschichte und Politik, ist dank Frau Lohmiller jetzt auch im Kasten, die Bibliographieteile habe ich gestern zu einem großen Winword-Zentraldokument mit 2 MB zusammengefaßt: 640 Druckseiten bis jetzt! Allein 30 Seiten dreispaltiges Verfasserregister wurden probeweise generiert, einige wenige Namensverschreiber konnten so bereits identifiziert werden. Fehlen noch rund 250 Seiten Minde.
Probleme macht die Formatierung. Beispiel: Wie kann man die Seitenzahlen auf den ersten fünf Seiten unterdrücken (weil Titelblätter ja nie eine Seitenzählung haben)? In den Zeiten der Papierdruckvorlage hatten wir das gute alte Tipp-ex.
Oder: Wie generiert man aus den Kapitelüberschriften einen lebenden Kolumnentitel? Klar, geht mit Menü "Feld" -
Warum wir kein anderes Programm nehmen? Weil wir wegen der vielen diakritischen Zeichen auf den Unicode-Zeichensatz zurückgreifen müssen, der zum Beispiel von unserem geliebten Pagemaker auch in der 7er Version nicht unterstützt wird.
Ach ja, der Druck. Wir arbeiten auf eine pdf-Datei hin mit eingebetteten Schriften. Der Druck soll digital erfolgen. Auflage? Sagen wir mal: 100. D. h. wir müssen einen Subskriptionsaufruf starten. Wer bestellt, kriegt was. Wers verschläft, wartet ein Jahr, bis weitere 100 Interessenten zusammengekommen sind :-(


Stand: 27. Mai 2002
E-Mail von Frau Lohmiller erhalten: Kapitel 10, Zu den Dramen im allgemeinen, ist jetzt auch abgeschlossen, Kapitel 11 begonnen. - Es geht voran.


Stand: 27. Juni 2002
Preisfrage: Und vor 1914? Gab es außer dem Goedeke keine Zusammenstellungen? Wir finden zum Beispiel in Rahmers "Heinrich von Kleist als Mensch und Dichter" (Berlin 1909) S. 434ff. das Kapitel "Kleist-Collectaneum". Zitat S. 434: "Eine Kleist-Bibliographie, ein Verzeichnis der Kleist-Literatur steht noch aus. [Also auch damals schon!!] Die Angaben bei Goedeke sind lückenhaft, und auch in den neueren Kleist-Arbeiten findet man nur eine unvollkommene Übersicht der Arbeiten über Kleist. Auf manche vergessene Arbeit und auch auf manche Kleistausgabe habe ich im Text dieses Buches und in meinem Kleist-Problem hingewiesen. Im folgenden stelle ich eine Anzahl Arbeiten und ältere Titel in Zeitungen und periodischen Zeitschriften etwa bis in die 70er Jahre zusammen, aber nur soweit sie nicht bei anderen Autoren benutzt und von ihnen oder von mir bereits zitiert sind. Meine Übersicht kann natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben." Danach folgen, annotiert, 58 Nummern.
Ach ja, wir sind mitten im Kapitel 11...


Stand: 13. August 2002
9.17 Uhr, E-Mail von Frau Lohmiller. Die letzten Portionen des großen Kapitels 11 sind eingetroffen. 10.20 Uhr: Die Dateien sind für das Personenregister codiert, an den vorhandenen Datenbestand angeschlossen, Gesamtregister und Gesamtinhaltsverzeichnis sind aktualisiert. 709 Druckseiten bis jetzt. Uff.
96 Druckseiten müssen noch in den Computer, dann steht Minde-Pouet 1914-1937. Fehlen noch die Einträge von 1938-1944. Wenn's weiter so läuft, schaffen wir die reine Texterfassung bis zu Kleists Geburtstag, aber die Schlußkorrektur?
Und der Druck? Kommen wir doch an die 1000 Seiten? Welcher Digitaldrucker packt das noch? Können wir den Umfang reduzieren, d. h. vorgesehenen Rand noch verkleinern, Schrift von 10 Punkt auf 9?
Immerhin können wir Examensleuten mit gezielten bibliographischen Hinweisen weiterhelfen.
Und über Frau Lohmiller ist auch kürzlich ein schöner und großer Artikel in der hiesigen Zeitung erschienen. Öffentliche Anerkennung für bewundernswertes ehrenamtliches Engagement. Gratulation!


Stand: 28. August 2002
Kapitel 15 (siehe unter 21. März) ist jetzt fast auch ganz im Kasten. Unsere Kühnheit nimmt zu: die Bibliographie als elektronisches Buch auf CD bis zum 18. Oktober? Mal sehen. Obwohl es Wahnsinn ist. Wir sind jetzt ohne pi und pa und po bei über 750 Seiten, die sich locker auf 1000 aufschaukeln werden.


Stand: 30. August 2002
Große Teile von Kapitel 16 (siehe unter 21. März) sind eingetroffen. und in die Datei eingebaut. 766 Druckseiten im vorläufigen Layout (Gr8°-Format, 10p Schrift). Fehlen noch rund 50 Druckseiten, dann ist die Zeit bis 1937 erfaßt. Die Zeit von 1938 bis 1944 dürfte schwerer werden, weil ja nur ein Korrekturexemplar vorliegt, das viele handschriftliche Einträge enthält.
Der Wechsel von Computer zu Computer bringt dank der Weisheit von Bill Gates die unterschiedlichsten Formen von Anführungszeichen ans Tageslicht. Mal wird als Zollzeichen konvertiert (so wie bei der guten alten Schreibmaschine, "2" mit Umschalttaste, mal angelsächsisch (Beginn oben), mal spitz. Ein Durchgang mit Suche/Ersetze und individueller Bestätigung muß Abhilfe schaffen. Wer so etwas über ein Groß-Manuskript schon mal gemacht hat, weiß, wie Genuß-süchtig so etwas machen kann.
Thema Register: Wenn schon die Autorennamen im laufenden Text mit allen diakritischen Sonderzeichen, die die Unicode-Liste vorgibt, ausgeführt ist, so wird man sich wohl im Register auf den Grundlaut beschränken dürfen. Also nicht das polnische L durchgestrichen, sondern einfach L als L. Warum: Wenn der Text als Datei verfügbar ist, müßte man bei der Stichwortsuche die vierstelligen Unicode-Ziffern aus einer Tabelle raussuchen und über den Ziffernblock der Tastatur eintippen. Scheint uns zwar ganz amüsant, weil sich besonders ältere Semester auch mal mit den Tücken der Computerei herumschlagen müßten, aber nur unsere digitale Überlegenheit demonstrieren - es reicht, daß wir wissen, was wir können. :-)


Stand: Anfang Oktober 2002
Der komplette Minde-Pouet bis 1937 ist jetzt im Kasten. Nun kommt noch die Zeit bis 1944. 850 Seiten. Winword geht zunehmend in die Knie. - Was einen immer wieder wundert: Da erscheinen Dissertationen, die ja die benutzten Hilfsmittel angeben müssen. Seit 1996 veröffentlichen wir bibliographische Daten, anfangs als Monographie, später in unseren Heilbronner Kleist-Blättern. In den Literaturverzeichnissen dieser Bücher finden wir aber keinen Hinweis auf unsere Bibliographien. Wir fragen uns also: Wird da Literatur nur selektiv angegeben oder sollte es tatsächlich so sein, daß man ohne Bibliographie auskommt. Und wenn dem so ist: Was ist das für eine Wissenschaft, die ihr elementares Handwerkszeug nicht kennt. - Wir werden demnächst mal eine bibliographische Übersicht ins Netz stellen, die man dann locker in seine Arbeit reinkopieren kann. Damit sie so richtig professionell aussieht. (Nichts für ungut, aber das mußte mal gesagt werden...)


Stand: 21. Januar 2003
1.056 Druckseiten und ein paar zerquetsche, die noch in die Datei kopiert werden müssen (die jetzt als rtf schlanke 5 MB hat). Als Zugabe der Goedeke von 1898 und Rahmers annotierte Titel. An sich könnte man die Druckmaschine anwerfen, aber Winzigkeiten finden sich immer noch, und noch laufen uns die Vorbesteller nicht das Haus ein.
Wir gehen jetzt von 1.200 Druckseiten aus und drucken 5 Exemplare über die Vorbestellmarge. Und dann erst mal nichts weiter.
Ach ja, Bibliographien gibts mehr als die, die wir oben genannt hatten. Die russische von 1991, die keiner kennt, die Kanzogsche der Primärschriften, die Grathoffsche zur sozialischen Rezeption, das Verzeichnis Kleist in der DDR, die diversen Anhänge, beispielsweise in "Kleist-Material" usw. usw.
Und zu den Primärschriften die Notiz, daß wir die "GV neu"-Einträge (Band 69) zerschnipfelt und die Verweiseinträge dazwischengeklebt haben. Den gleichen Spaß machen wir in Kürze für "GV alt" und schnipfen das Geschnipfte, alt und neu, ineinander. Damit wir die x Ausgäbchen für die Schule leichter nach Auflage und Erscheinungsjahr ermitteln können.


Stand: 28. August 2004
Ist das Projekt inzwischen den Weg allen Irdischens gegangen? Mitnichten. Wir haben unerwartete Hilfe erhalten. Wenn alles gut läuft, könnte der Teil 1 der Bibliographie (bis 1990) noch zum Jahresende in zwei Teilbänden mit je 500 Seiten vorliegen.


Stand: 1. April 2007
Wieder eine Hoffnung, aber diesmal äußerst fundiert. Wenn nicht der Himmel über uns einstürzt, sind die Aussichten gut, daß der Band noch in der 1. Jahreshälfte zum Drucker geht. - Ich weiß, ich weiß. Aber manchmal muß man Lebenszeichen geben.


... und er ging!