Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn

Veranstaltungen im Jahr 2004


19. Februar 2004
Dr. Nanna Koch, Württ. Kammerorchester Heilbronn
Der Traum vom Rosenfest - Penthesilea
Kleist in der Musik (1)


4. März 2004
Dr. Nanna Koch, Württ. Kammerorchester Heilbronn
Der Traum vom Rosenfest - Penthesilea
Kleist in der Musik (2)


18. März 2004
Dr. Nanna Koch
Der Traum vom Rosenfest - Penthesilea
Kleist in der Musik (3)


»Amphitryon! Das faßt kein Sterblicher.« (V. 2294)
Interdisziplinäres Kolloquium des Kleist-Archivs Sembdner, Heilbronn (Direktor: Günther Emig)
im Verein mit Dr. Peter Staengle (Brandenburger Kleist-Ausgabe)
Mit freundlicher Unterstützung der Burgfestspiele Jagsthausen

Freitag, 21. Mai 2004, Jagsthausen

Konzeption

Als der französische Dramatiker Jean Giraudoux im Jahr 1929 seine »Amphitryon«-Komödie veröffentlichte, fügte er dem Titel die Zahl 38 hinzu, um damit anzudeuten, daß seine Bearbeitung die mindestens 38. dieses antiken Stoffes sei. Der Kleistsche »Amphitryon«, 1807 im Druck erschienen, 1899 erstmals aufgeführt, mit dem die Burgfestspiele Jagsthausen ihre diesjährige Spielzeit eröffnen, steht also in einer langen Tradition der Bearbeitung dieser Geschichte vom Göttervater Zeus, der sich in Gestalt des Feldherrn Amphitryon, des Ehemanns der Alkmene, den Beischlaf mit Amphitryons Ehefrau erschleicht und mit ihr den Helden Herakles zeugt; antike Autoren wie Plautus, französische Klassiker wie Molière oder zeitgenössische Dramatiker wie Peter Hacks haben sich immer wieder aus unterschiedlichsten Ansätzen heraus mit diesem Thema beschäftigt.

Heinrich von Kleists (1777-1811) »Amphitryon«, um 1803 begonnen, in Dresden gedruckt, als der Dichter in französischer Gefangenschaft war, galt lange Zeit als reine Übersetzung des Molièreschen Lustspiels. Seit seiner Wiederentdeckung aber begeistert Kleists Stück das Publikum als »das witzig-anmutsvollste, das geistreichste, das tiefste und schönste Theaterspielwerk der Welt« (Thomas Mann).

Man ist sich einig, daß Kleist in souveräner Genialität etwas Eigenständiges geschaffen hat, indem er den höfisch-gesellschaftlichen Charakter seiner Vorlage zugunsten einer ausführlicheren Darstellung der Identitätsproblematik und religiöser Fragen abwandelte. Entsprechend thematisch breit angelegt ist daher auch das interdisziplinäre Kolloquium »Amphitryon! Das faßt kein Sterblicher«, das das Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn in Verbindung mit dem Mitherausgeber der »Brandenburger Kleist-Ausgabe« Dr. Peter Staengle (Heidelberg) und mit freundlicher Unterstützung der Burgfestspiele Jagsthausen am 21. Mai in Jagsthausen durchführt.

Während am Vormittag motivische Fragestellungen die Perspektive weiten (Jupiters Liebesleben, Der betrogene Ehemann, Doppelgängermotive) und damit die Klassische Philologie, die Volkskunde und die Psychologie dominieren, richten am Nachmittag die Romanisten und Germanisten ihren Blick auf die Dichtung selbst (Molières »Amphitryon« sowie Referate zu Kleists »Amphitryon«: Mysterium und Geheimnis, »Amphitryon« als Identitätsspiel und Verhörsituationen bei Kleist).

Programm

10 Uhr
Prof. Dr. Peter von Möllendorff
Universität Gießen, Institut für Klassische Philologie
"Gebenedeit unter den Frauen"?
Jupiters Geliebte

11 Uhr
Prof. Dr. Klaus Roth
Universität München, Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Der betrogene Ehemann
Das Amphitryon-Motiv in der europäischen Popularliteratur und Volksüberlieferung

12 Uhr
Dr. med. Peter Dettmering
Frei praktizierender Psychoanalytiker, Wedel
Das Doppelgängerphänomen in der Dichtung

14 Uhr
Prof. Dr. Jürgen Grimm
Universität Münster, Romanisches Seminar
Molières mythologische Komödie "Amphitryon" und ihre Besonderheiten

15 Uhr
Prof. Dr. Gertrud Maria Rösch
Universität Regensburg, Institut für Germanistik
"Ich muß dies Teufelsrätsel mir entwirren"
Mysterium und konstruktives Geheimnis im "Amphitryon"

16 Uhr
Prof. Dr. Helmut Bachmaier
Universität Konstanz, Fachbereich Literaturwissenschaft
Kleists "Amphitryon" als Identitätsspiel

17 Uhr
Prof. Dr. Manfred Schneider
Universität Bochum, Germanistisches Institut
Kleists Verhöre: ein juristisches und wissenschaftliches Modell

Moderation: Dr. Peter Staengle (Brandenburger Kleist-Ausgabe, Heidelberg)
Gesamtleitung: Günther Emig, Direktor des Kleist-Archivs Sembdner, Heilbronn

Fotos:


24. Juni 2004
„Gehört das Bild mir, das der Spiegel strahlt?"
Kleists „Amphitryon" in der bildenden Kunst
Vortrag mit Bildern von Dr. Barbara Wilk-Mincu (Berlin)

"Von Storch bis Stella" könnte der Vortrag auch heißen, der sich mit den Werken der bildenden Kunst zu Kleists Lustspiel "Amphitryon" befaßt. Buchillustrationen, Theaterzeichnungen, Einzelgrafiken und der Entwurf für eine Skulptur werden präsentiert, um die wechselvolle Rezeption des Kleistschen Stückes in Wort und Bild vorzuführen. Der Gott Jupiter, der die Verwirrungen stiftet, und sein Adlatus Merkur, sowie die getäuschten Menschen, Alkmene und Amphitryon, Sosias und Charis, werden in den jeweiligen Interpretationen der Künstler zu sehen sein. Der Titel des Vortrages drückt den Zweifel an der eigenen Identität aus, den die Götter mit ihren Machenschaften bei den Menschen bewirken.


12. Juli bis 12. August 2004
Liebe. Was sonst
Open-air-Lesungen mit Cornelia Bielefeldt

Im letzten Jahr "Die Blaue Blume", in diesem Jahr "Liebe. Was sonst." Die Veranstaltungsreihen des Kleist-Archivs Sembdner in Heilbronn sind längst legendär. Keine zusammengekaufte Instantware, sondern voll aus den Knochen gekochte Kraftnahrung. Hart, aber ehrlich. Auch 2004. Auch wenn die Zeiten härter werden. Auch wenn auch wir mehr denn je sehen müssen, woher die Gelder fließen. Vielleicht machen wir eine Benefiz-DVD, exklusiv für Spender?


28. August 2004
Goethe auf dem Wartberg


28. November 2004

Käthchen die Gute, Kunigunde die Schlechte
Zur Fragwürdigkeit eines Gegensatzes

Vortrag von Privat-Dozent Dr. Roland Reuß (Heidelberg)

Die Beschäftigung mit Kleists Schauspiel "Das Käthchen von Heilbronn" beruht traditionell auf der Annahme eines unauflöslichen Gegensatzes der beiden Frauengestalten, auf die Graf Wetter vom Strahl bezogen ist. Der Vortrag wird diese gängige Annahme in Frage stellen und das Gemeinsame von Käthchen und Kunigunde in den Mittelpunkt stellen. Er wird zugleich die Bedeutung des ersten fragmentarischen Drucks von Kleists Drama, in der von Kleist und Adam Müller gemeinsam herausgegebenen Zeitschrift "Phöbus" hervorheben.

Der Referent ist Herausgeber des soeben erschienenen "Käthchen"-Bandes innerhalb der "Brandenburger Kleist-Ausgabe" (Band I/6: Das Käthchen von Heilbronn. Hrsg. von Roland Reuß in Zusammenarbeit mit Peter Staengle. ISBN 3-87877-340-4. Apart: 119 Euro. Subskr: 99 Euro.


Ausstellung
»Die Käthchen-Festspiele im Deutschhof, Heilbronn 1952«
Aufnahmen aus einem privaten Fotoalbum