Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann

anläßlich der öffentlichen Vorstellung des Kleist-Archivs Sembdner am 21. August 1991 in Heilbronn


Verehrter Herr Professor Sembdner, meine Damen und Herren,

in diesem Jahr begeht unsere Stadt ihren 1250sten Namenstag. Und in dieses Jubiläumsjahr fällt ein Ereignis, auf das wir zu Recht besonders stolz sein können. Die Stadt Heilbronn hat das Kleist-Archiv Sembdner übernommen und in der Stadtbücherei untergebracht. Mit dem Kleist-Archiv Sembdner wird Heilbronn ein geistiges Zentrum der umfassenden Beschäftigung mit dem Dichter Heinrich von Kleist.

Und das haben wir Ihrer Entscheidung, verehrter Herr Professor Sembdner, zu verdanken.

Aus Anlaß von Heinrich von Kleists 200. Geburtstag zeigte unsere Stadtbücherei 1977 die Ausstellung "Heinrich von Kleist und sein Käthchen von Heilbronn". Bei dieser Gelegenheit hielten Sie, Herr Professor Sembdner, in diesem Hause einen Vortrag über den Dichter. In diesem Vortrag stellten Sie das "Frisch Liedlein" vom Heilbronner Schmiedstöchterlein vor. In diesem Lied ist erstmals eine direkte Beziehung der Käthchen-Sage auf die Stadt Heilbronn dokumentiert.

Schon längst ist die Stadt Heilbronn ihrerseits den Beziehungen zu Heinrich von Kleist nachgegangen. So verfügt unser Stadtarchiv über nicht wenige Werke des Dichters, darunter wertvolle Erstausgaben, über Schriften zu Kleists Leben und Werk und natürlich auch über die einschlägigen Untersuchungen des Käthchen-Themas mit Bezug auf Heilbronn.

Die jahrelange Beziehung zwischen Ihnen und der Stadt Heilbronn fand nun ihre Fortsetzung, indem Sie Ihre wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Heilbronn übergeben haben. Nach ersten Kontakten besuchten unser Kulturdezernent, Bürgermeister Rainer Casse, und unser Büchereidirektor Dr. Konrad Umlauf Sie im Winter 1989/90 zum ersten Mal. Sehr bald wurde uns klar, welcher Schatz da in Ihrem Wohnzimmer stand.

Das Kleist-Archiv Sembdner ist der Spiegel Ihrer lebenslangen wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Dichter. Über Kleist forschten und forschen nicht wenige Germanisten. Kleist wird immer wieder auf den Bühnen aller Welt, so auch durch unser Stadttheater zum ersten Mal in Moskau, aufgeführt.

Sie genießen als Kleist-Forscher international eine hohe Anerkennung. Mit der Übernahme Ihrer wissenschaftlichen Sammlung durch die Stadt Heilbronn ist Ihr Lebenswerk für die Zukunft gesichert.

Die Stadtbücherei wird die Sammlung geschlossen und gesichert aufbewahren, auch in Zukunft laufend ergänzen und katalogmäßig mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung erschließen, die ab Herbst dieses Jahres bei der Stadtbücherei zum Einsatz kommt.

Sobald die Sicherung und Erschließung abgeschlossen ist, wird das Kleist-Archiv Sembdner unter Aufsicht für Zwecke der Forschung und Wissenschaft zu benutzen sein. Entleihungen werden prinzipiell nicht möglich.

Bedeutende Kleist-Sammlungen gibt es auch in anderen Städten: In Berlin, in Marbach und in unserer Partnerstadt Frankfurt/Oder die Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte, mit der wir natürlich in Verbindung stehen.

Zu diesen Kleist-Sammlungen gesellt sich nun die Stadtbücherei Heilbronn mit ihrem Kleist-Archiv Sembdner. Das ist eine hohe Ehre für unsere Stadt, das ist eine Verpflichtung für die Zukunft und das ist für Sie, Herr Professor Sembdner, einfach praktisch, weil es von Stuttgart nach Heilbronn nicht allzu weit ist. Wir freuen uns ganz besonders, daß Sie - und ich hoffe, noch etliche lange Jahre - unserer Stadtbücherei als Berater für die Ergänzung des Kleist-Archivs Sembdner zur Verfügung stehen. Für die Bearbeitung des Archivs in der Stadtbücherei ist Frau Diplombibliothekarin Ursula Neumann zuständig, unsere Musikbibibliothekarin, die hier eine ebenso herausfordernde wie reizvolle Sonderaufgabe erhalten hat. Ich danke Ihnen dafür, Frau Neumann.

Und jetzt bitte ich Sie, Herr Professor Sembdner, daß Sie uns einige Erläuterungen zu der Sammlung geben.